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Samstag, 1. Oktober 2011

Die A100 wird zur Zerreißprobe in den Berliner Koalitionsverhandlungen. Was bringt sie wirklich? – Ein Statement.

Am Dienstag werden die Koalitionsgespräche zwischen den Berliner Grünen und der SPD aufgenommen. Eine Umwidmung der Mittel wurde durch Ramsauer (vorerst) abgelehnt. 
Bleibt die Frage: Was bringt die A100 wirklich? Wie groß sind die wirtschaftlichen Impulse, die Reduzierung von Stau, Zeitkosten, wie hoch ist die Entlastung der Nebenstraßen, etc. – Ist der Nutzen höher als die Kosten?
Einiges spricht dafür: Immerhin handelt es sich beim Autobahnring um die meistbefahrene Straße Deutschlands und selbst mit den relativ niedrigen Löhnen in Berlin kann es gut sein, dass die gesparte Reisezeit hohe monetäre Äquivalente haben wird. Ramsauers Bundesverkehrsministerium hat zudem eine Studie vorgelegt, die von wirtschaftlichen Impulsen ausgeht, welche durch derartige Bauinvestitionen induziert werden können.
Ganz so einfach ist die Rechnung aber nicht. Mit öffentlichen Investitionen in die Infrastruktur sollte man in erster Linie eine effiziente Allokation von Ressourcen fördern und sich nicht – wie Ramsauer – nur auf Multiplikator-Effekte berufen, ohne die Input-Output-Berechnungen realwirtschaftlichen Anpassungen zu unterziehen. Um den Nutzen fundiert zu überprüfen, reicht „seine“ Studie also nicht aus. Vielmehr bedarf es eines Vergleichs mit einem alternativen Infrastrukturprojekt, deren Ergebnisse in einer elaborierten Kosten-Nutzen-Analyse abgeglichen werden könnten. Erst dann können Aussagen zu diesen Fragen gemacht werden.
Doch geht es in der Debatte wirklich darum? Wahrscheinlich geht es auch um etwas anderes. Die eine Seite – die SPD – stützt sich implizit auf die genannte ökonomische Argumentation.
Die andere Seite – die Grünen – verweist auf sogenannte Externalitäten, d.h. externe Effekte, deren Kosten vorher nicht bedacht und schließlich oft unausgeglichen bleiben. Insbesondere bezieht sie sich auf Umweltexternalitäten des Gesamtsystems Straße und argumentiert, dass es volkswirtschaftlich nicht sinnvoll sein kann, solch einen umweltschädlichen Verkehrsträger zu fördern.
Aus wirtschaftswissenschaftlicher Perspektive sind dies zwei separate Probleme. Ein Lösungsansatz ist: Die negativen Externalitäten sollten eingepreist werden – es sollten so lange Steuern auf das Fahren erhoben werden, bis die tatsächlichen Kosten amortisiert sind und die Nachfrage zurückgeht.
Dann kann die Berliner Regierung über weitere sinnvolle (?) Investitionen nachdenken – unter den gegebenen Bedingungen und in welcher Konstellation auch immer.


Dienstag, 5. Juli 2011

Tourism goes Kiez

Kristoffer Möller

Now they’re finally in my district. They’re sitting in my bar, drinking my beer. They’re waving at me in the morning when I go to work – these “tourists”. It’s not Brandenburg Gate, Potsdamer Platz or Ku’damm anymore, it’s the Wrangelkiez, Simon-Dach-Straße, it’s right here. Political events as organised by the Green Party in the Wrangelkiez (“Hilfe, die Touris kommen”) or the campaign “Berlin doesn’t love you” are picking up the debate. However, one needs to be careful in “kicking out tourists”. With a turnover of almost nine billion Euros, tourism is a key economic sector, employing a great number of Berliners.

So, what’s the problem? Well, as economist, it’s a classic externality problem: The price tourists pay to experience Berlin does not cover the full cost. While the gastronomy and hotel sector might benefit from positive externalities, residents living in the respective areas suffer from negative external costs like noise, higher price levels or in my case all these “cocktail bunkers”. In order to overcome this market failure, one must include (internalise) these additional costs in the price tourists pay. One could for example apply a tax like the so called “city tax” where tourists would have to pay 2.50 Euros/day. If the tax revenues stay in the Kiez (city neighbourhood) by cleaning parks and sidewalks or by setting up public toilets, residents would have to bear less social costs. Unfortunately, as planned the money would be raised by the City of Berlin and not by the individual districts. Another problem: Does this tax really affect tourist flows? Are today’s easy-jetters and backpackers really affected by a tax of 2.50?

This brings us to the main question: Who are these people anyway driving up local rents, partying loudly all night long and packing out the Mauerpark? Is it really tourists? Can you distinguish between a tourist, a recent settler or a “real Berliner”? Well, I don’t think so! I simply think that there’s a big group of young people in Berlin who want to enjoy their lives in the Kiez. Blaming tourists doesn’t solve anything and would only create social aggression and economic problems. The only way of calming down the districts would be a local beer tax of 2.50 Euro/bottle – do we really want that?

Got to go – it’s happy hour now.